Reise

Backpacking in Marokko 2019

chefch

Wir waren Backpacken in Marokko und ich möchte mich entschuldigen, falls der Beitrag etwas zu kritisch wird. 🙂

Marokko oder Sri Lanka

Nach unserer Thailand Reise, stand 2019 wieder eine Tour an. 4 Wochen ein neues Land, neue Erfahrungen und das ganze Zeug. Im ReisebĂŒro die Qual der Wahl. Weil der Flug nach Casablanca so gĂŒnstig war, haben wir uns im Endeffekt fĂŒr Marokko entschieden.

Vorbereitung? NÖ

Unsere Vorbereitung auf den Urlaub? Null! Am Flughafen Casablanca, hab ich meinen besten Freund gefragt, was wohl der Wechselkurs hier ist. Als Antwort kam: „Ich weiß nich mal welche WĂ€hrung die haben“. Wir lernen, Vorbereitung ist alles. 🙂

(Die WĂ€hrung ist ĂŒbrigens der Marokkanische Dirham)

Trotzdem hatten wir uns eine kleine Route zurechtgelegt. Von Casablanca wollten wir weiter nach FĂšs. NatĂŒrlich stand auch Marrakesch auf der Liste und danach das Highlight: MEER. Agadir oder Essaouria waren so unsere Hotspots.

Wir haben auch ĂŒberlegt, der Hauptstadt Rabat einen Besuch abzustatten und ich wollte eigentlich an den Rand der WĂŒste (Sahara), in das StĂ€dtchen Quarzazate. Warum wir beides nicht gemacht haben? Lange Geschichte 🙂

Erster Tag in Casablanca

GrundsĂ€tzlich wollten wir uns super viel anschauen, aber irgendwie waren wir von Casablanca total ĂŒberfordert.

Wir haben ĂŒberall gelesen, dass die Old Medina (Altstadt aus Mittelalterzeiten) immer das richtige Marokko sein soll. Ja gut alles klar, dann machen wir das.

Medina
Ja geht so

Wir wollten unbedingt, die Hassan-II.-Moschee sehen, aber irgendwie hat Casablanca uns erschlagen und wir wollten nur weg.

Moschsee
Trotzdem schön

Von Casablanca nach FĂšs

Unser Ziel war es, alle 4 KönigstÀdte (Casablanca, Rabat, FÚs und Marrakesch) zu sehen. Andere Backpacker haben aber schon gemeint, dass Rabat super langweilig ist und kaum einen Besuch wert. Zeit ist knapp und deswegen nach FÚs.

Nach der Ankunft, wieder in die Medina. Wir haben uns in ein Riad einquartiert, dass bedeutet eigentlich „Garten mit BĂ€umen“ und bezeichnet ein Traditionelles stĂ€dtisches Wohnhaus mit begrĂŒntem Innenhof.

Tee
Tee zu jeder Tages und Nachtzeit

Nach unserem ersten Minztee, ging es los die Medina erkunden. Ach und Hunger war sowieso da, also erstmal was zu Essen suchen.

Wir trafen einen jungen Mann, von dem wir uns 100 % sicher waren, dass er uns abzieht. Aber es ist ja keine Falle, wenn man weiß dass es eine Falle ist. 🙂

Also netter Typ und das typische Gefasel, wie toll hier alles ist etc. (Dazu spÀter mehr) Bringt er uns zu einem Restaurant, wo wir auf der Dachterrasse Platz nahmen. Ich höre mich jetzt an wie einer der Idioten, die immer sagen Gericht XY kann man nur dort essen. Aber es war wirklich das beste Couscous, dass jemals den Weg in unseren Magen gefunden hat. Total lecker und ziemlich preiswert.

Abziehen lassen in FĂ©s

Nachdem Essen, kam der Mensch wieder und wollte uns noch paar Sachen zeigen. Wir sind brav hinterher gedackelt und er brachte uns zu den bekannten Gerbereien von FĂ©s. Wahnsinnig interessant zu sehen, aber Freunde… boha was hat das gemĂŒffelt du. Nicht auszuhalten.

Gerberei
die Gerbereien von FĂ©s

Danach direkt in den Shop, der alles mögliche aus dem gewonnen Leder verkauft, aber wir mussten nix kaufen. Erstmal also alles gut. 🙂

Wir waren gespannt, wann und wo wir ĂŒber den Tisch gezogen werden und sollten nicht lange warten. Uns gefiel die dortige Tracht, das sogenannte Djellaba.

Also rein in so eine Art Weberei und der lokale Djellaba Gott nahm uns unter seine Fittiche. Es wurde probiert und gemessen und zack waren wir um die 60€ Ă€rmer, aber stolze Djellaba Besitzer. WĂ€hrenddessen wurden wir stĂ€ndig mit Tee versorgt. Das muss man ihnen lassen, abziehen ja aber mit Stil. 🙂

wir
Einer wusste, dass wir abgezogen wurden… Ich war es nicht 🙂

Der große Fehler

Unser Abzieh-Guide meinte immer wieder, dass wir nie außerhalb der Medina essen sollen, dass ist zwar fĂŒr Touristen gemacht, aber das vertrĂ€gt keiner. Wir zwei Idioten fleißig genickt und einen Tag spĂ€ter schön außerhalb der Medina gefuttert.

Am nĂ€chsten Morgen die große Überraschung: Magen verdorben.

Wir bewegten uns zwischen Klo und Dachterrasse und versuchten durch Unmengen an Tee und Ruhe unseren Magen in den Griff zu kriegen.

Edit zum Tee: Jedes Mal wenn ich krank bin und viel Tee trinke, geht es mir noch schlechter. Ich schĂ€tze eine HeimtĂŒcke der Teeindustrie, um mich mundtot zu machen. 🙂

Gebracht hat alles nix, aber wir wollten weiter nach Marrakesch.

7 Stunden Zugfahrt, ohne richtiges Klo stand auf dem Programm. Im Fußball spricht man von einer Herkulesaufgabe.

Wir haben es tatsÀchlich ohne peinlichen Zwischenfall nach Marrakesch geschafft und haben uns dort wieder in die Medina einquartiert.

Medina ein Abgesang

Wenn die Menschen zu euch sagen: „Wohnt in der Medina, da erlebt ihr Marokko richtig!“ Haut ihnen eine rein und geht in ein feines Hotel außerhalb. Sicherlich hat die Medina ihren eigenen Charme und gesehen sollte man sie auch haben, aber Freunde ich sag es euch.

Erstmal geht es zu wie am Stachus und man hat eine GefĂŒhlslage zwischen Ekel und Entsetzen. Ein Hygieneniveau der frĂŒheren Kreidezeit und der penetrante Geruch nach Verwahrlosung. Beispiele gefĂ€llig?

20 Meter von unserem Riad entfernt, hat irgendjemand immer GedĂ€rme eines Tieres hingeworfen, ĂŒber das sich die streunenden Katze hergemacht haben, wie Apples Fans ĂŒber das neue iPhone. Einen Tag spĂ€ter lag da eine Babykatze und wir waren keine Experten, aber die sah gar nicht mehr gut aus.

Überall totes Tier, das in der Hitze schmurgelt. StĂ€nde an denen Fleisch ohne KĂŒhlung und offen rumlag. Eine sehr brutale Dame, die ein Huhn geköpft hat, als wir gerade vorbeigingen.

Ein Laden, der Wespen verkauft (eigentlich GebÀck in so SchaukÀsten, aber man hat nur Wespen gesehen).

In Marrakesch bin ich auf eine tote Ratte getreten, aber meine Baba Adiletten haben mich gerettet.

GerĂŒche und GeschmĂ€cker kaum zu definieren und wir haben uns wie in Bangkok gefĂŒhlt, nur noch mieser. Wenn du hier versumpfst, wirst du mit Sicherheit irgendwann vom AuswĂ€rtigen Amt aus der lokalen Opiumhöhle gezogen und kannst dein Kamel satteln, um dem Heimweg anzutreten.

Ein angenehmerer Einblick

Die Schere zwischen Arm und Reich

Kurz und knapp, die eine HĂ€lfte hat nix und die andere alles. Herzlich Willkommen in Deutschland. Halt nein Marokko. In Afrika, fĂ€llt die Schere einfach extremer auf. Ein Mann im Bugatti, ĂŒberholt einen anderen, der auf einem halbtoten Esel reitet. Standard halt.

Muss man gesehen haben, kann man sich sonst gar nicht vorstellen.

Schnell weg aus Marrakesch

Klar hat Marrakesch auch schön Seiten zu bieten, aber wir wollten nur noch ans Meer. Sonne satt und raus aus dem Trubel.

Mit dem Bus nach Essaouria und dort in einem Chill&Surf Hostel gewohnt.

Eigentlich wollten wir endlich mal ein Bierchen zischen, aber da konnte man nur kiffen. Ja klasse, da hatten wir ja null Bock drauf. Magenprobleme waren immer noch da und so langsam hinterfragten wir den Sinn unserer Reise.

Krank sein zuhause, ist schon richtig doof. Krank sein auf einem anderen Kontinent, sowas wie der Super-Gau. Geschlagene 11 Tage hatten wir schon mit MagenkrÀmpfen und Durchfall zu leben.

Nach einem kurzen Aufenthalt in einem All Inklusive Ressort mit Bier frei 🙂 haben wir uns nach knapp 3 Wochen dazu entschieden, unsere Reise abzubrechen und in Mamas Schoß zu fliehen.

gefarh
Gefahrgut Transport

Fazit zu Backpacking in Marokko

  • 4 Wochen sind zuviel, ich denke 2 – 3 Wochen reichen völlig aus.
  • Niemals nach einer Thailand Reise mit viel Party nach Marokko
  • Höchst muslimisch, zum Bier trinken weniger geeignet
  • Hört auf die Leute vor Ort, die wissen was Sache ist

Eventuell nicht die schönste Reise mit seinem besten Kumpel, ich denke 2 Wochen mit seiner Partnerin oder Partner wÀren wesentlich besser.

Definitiv festzuhalten ist aber die Freundlichkeit der Einwohner. Die meisten waren herzlich und wollten dir helfen, oder dir einen schönen Aufenthalt ermöglichen. Großes Plus dafĂŒr.

Klar bei uns ist viel schief gegangen und wir waren auch Idioten, trotzdem können wir den Hype um Marokko nur bedingt nachvollziehen.

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzĂ€hlen sagte Matthias Claudius. Genauso ist es einfach auch, bleibste daheim haste am Ende gar keine Erfahrung. Auch wenn unsere nicht allzu positiv waren, so kennen wir uns nun aus und freuen uns darĂŒber, dass wir nicht nur Prien am Chiemsee und Badolino kennen.

Ich schulde euch ja noch warum wir nicht in die WĂŒste sind.

Der Julian hatte keine Lust geköpft zu werden. Wer sich nicht mehr erinnert, hier der Link zu dem Merkur Artikel.

Wer sich trotzdem fĂŒr Marokko und seine SehenswĂŒrdigkeiten interessiert, sollte mal bei Sommertage.com reinschauen. Da gibt es auch viele Tipps und Kniffe.

Wart ihr schon in Marokko? Wenn ihr auch kurioses oder anderes erlebt habt, hinterlasst mir gerne ein Kommentar.

Das Problem mit den Zitaten im Internet ist, dass man nie weiß ob sie stimmen.

Julius Caesar

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4 Comments

  • Reply Meike 26. August 2020 at 15:09

    Ja ich war schon in Marokko und es war auch nicht eine meiner schönsten Reisen 😉 Ich wurde auch nur abgezockt, Probleme mit dem Essen hatte ich allerdings nicht. In die WĂŒste wollten wir, aber da wir unseren Flug verpasst haben hatten wir keine Zeit mehr dazu 😀

    • Reply Christian Tietz 27. August 2020 at 8:12

      Vielen Dank fĂŒr deinen Kommentar 🙂
      Ja so richtig toll war Marokko wirklich nicht.
      Flug verpassen ist halt der Worst Case in diesem Fall, aber schön das du meine Erfahrungen teilst

  • Reply DarkAngel 7. August 2020 at 9:38

    Ein sehr informativer Reisebericht, ich musste öfter mal schmunzeln und die Frage: habt wohl nicht auf Mutti gehört was das Essen in anderen LĂ€ndern betrifft?😉
    Zu Marokko: es ist erschreckend wie weit Armut und Reichtum mittlerweile auseinander gehen, nicht nur dort sondern in vielen LĂ€ndern, auch in Europa! Danke fĂŒr deinen Bericht der ĂŒbrigens wieder super geschrieben ist!!
    Freue mich den nĂ€chsten zu lesen.đŸ€—đŸ€—

    • Reply BayazTietz 7. August 2020 at 10:16

      Wer hört heutzutage auf Mutti 😉
      Wie gesagt, dass muss man selber gesehen haben.
      Vielen Dank fĂŒr den Kommentar 🙂

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